Investitionen in die Infrastruktur Deutschland: Wie hoch ist der Investitionsstau?
Fehlende Infrastruktur macht sich in Deutschland bereits bemerkbar – wie soll in den nächsten Jahren investiert werden? Kann der Investitionsstau aufgeholt werden?
Alles Wichtige zu Investitionen in Infrastruktur Deutschland in Kürze
- Kommunen beklagen großen Investitionsstau – nötiger Unterhalt der Infrastruktur kann nicht oder nur eingeschränkt geleistet werden
- Statistiken zeigen: Um die 46 Milliarden Euro jährlich über die nächsten zehn Jahre verteilt bräuchte es zusätzlich, um den Rückstand wieder aufzuholen
- Die Bundesregierung begegnet der mangelnden Infrastruktur mit dem Sonderpaket für Infrastruktur und Klimaschutz – 500 Milliarden Euro sind als zusätzliche Investitionen für die nächsten zehn Jahre angedacht
- 2026 sollen rund 58 Milliarden Euro zusätzlich in die Infrastruktur fließen, insgesamt rund 129 Milliarden Euro
- Analysen der ifo kritisieren, dass das SVIK zweckentfremdet genutzt wird
Der Investitionsrückstand in Deutschlands Infrastruktur hat ein Rekordniveau erreicht. Betroffen sind zentrale Bereiche, die das Rückgrat der Wirtschaft bilden – von Straßen und Brücken über Bildungseinrichtungen und Krankenhäuser bis hin zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Die fehlenden Investitionen in die Infrastruktur Deutschlands sind inzwischen deutlich sichtbar: marode Verkehrswege, langsame Internetverbindungen und sanierungsbedürftige Schulen.
Dabei ist eine leistungsfähige Infrastruktur entscheidend für die öffentliche Sicherheit und wirtschaftliches Wachstum. Sie ermöglicht Bürgern den Zugang zu modernen Dienstleistungen, stärkt soziales Wohlergehen und trägt dazu bei, regionale Ungleichheiten zu verringern. Gleichzeitig spielen Investitionen in die Infrastruktur eine Schlüsselrolle bei der Erreichung umweltpolitischer Ziele.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Wie wird aktuell in die Infrastruktur Deutschlands investiert? Und welche Maßnahmen bräuchte es, um den bestehenden Investitionsstau abzubauen? In unserem Artikel geben wir Ihnen einen umfassenden Überblick über Investitionen in die Infrastruktur Deutschlands!
Inhaltsverzeichnis
- Investitionen in die Infrastruktur Deutschlands – wie schwierig ist die Lage?
- Statistiken zur Infrastruktur in Deutschland: Wie viel muss investiert werden?
- Wie soll das 500 Milliarden Euro Sonderpaket der deutschen Infrastruktur helfen?
- Wie wird der Bund in 2026 in die Infrastruktur in Deutschland investieren?
- Investition in Infrastruktur Deutschland 2025: Wie ist der Stand nach Einführung des Sonderpakets?
- Fazit: Investitionen in die Infrastruktur in Deutschland immer noch auf dem Prüfstand
Investitionen in die Infrastruktur Deutschlands – wie schwierig ist die Lage?
Um die Wirtschaft und Gesellschaft zukunftsfähig zu machen, muss in Infrastruktur investiert werden – in Digitalisierung, Verkehr und Bildung. Wie sich aber in den letzten Jahren gezeigt hat, beklagen immer mehr Kommunen einen Investitionsstau: Die jetzigen Finanzierungen reichen nicht aus, um Infrastruktur zukunftsfähig auszubauen – aber auch nicht mehr, um sie aufrechtzuerhalten. Die Bauinvestitionen von Kommunen sind in den letzten Jahren gesunken, während der Schuldenstand immer weiter ansteigt. Laut dem Statistischen Bundesamt lag der Finanzierungsdefizit der Kommunen und Gemeindeverbände im Jahr 2024 bei 24,8 Milliarden Euro – der höchste Finanzierungsdefizit seit der Wiedervereinigung in 1990.
Nicht nur an der Finanzierung mangelt es. Dr. Dirk Schumacher, der Chefvolkswirt der KfW, betont: Auch der Personalmangel in Bauämtern, die komplexen Dokumentationspflichten und die langen Genehmigungszeiten würden die Investitionen in die Infrastruktur in Deutschland einschränken. Es müsse zusätzliche Investitionen neben dem Kernhaushalt geben, um Qualität und Quantität der Infrastruktur in einen adäquaten Zustand zu bringen – und sie wieder für die Zukunft aufzustellen.
Wie hoch ist der Investitionsstau in Deutschland?
Laut der jährlichen Umfrage des Deutschen Instituts für Urbanistik für die staatliche Förderbank KfW lag der wahrgenommene Investitionsrückstand im Juni 2025 bei 215,7 Milliarden Euro. Ein Rekordhoch – denn damit ist er im Vergleich zum Vorjahr um 29,6 Milliarden gewachsen.
- 67,8 Milliarden Euro fehlen für die Erhaltung von Schulgebäuden – das sind 31 Prozent des gesamten Investitionsstaus.
- Als zweites folgt der Straßenbau und die Verkehrsinfrastruktur: Hier fehlen 53,4 Milliarden (25 Prozent).
Statistiken zur Infrastruktur in Deutschland: Wie viel muss investiert werden?
Berechnungen des IMK und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigen: Jährlich müssten 45 Milliarden Euro zusätzlich über zehn Jahre verteilt investiert werden, um den Investitionsstau aufzulösen. Die Grundlage ihrer Berechnungen basiert auf Analysen der Kreditanstalt für Wiederaufbau.
So müsste die Finanzierung auf Infrastrukturinvestitionen aufgeteilt werden:
- 138 Milliarden Euro zusätzlich müssten in den entstandenen Sanierungsstau von kommunaler Infrastruktur investiert werden.
- 120 Milliarden Euro für den Ausbau von Verkehrswegen: 60 Milliarden Euro davon für den Fernverkehr der Deutschen Bahn, 20 Milliarden Euro für den Personennahverkehr und 20 Milliarden Euro für die Instandhaltung von Fernstraßen.
- 20 Milliarden Euro bräuchte es für den Ausbau von Breitband-Datenleitungen und flächendeckende 5G Netze.
- 109 Milliarden Euro müssten für bessere Bildung eingesetzt werden: Rund die Hälfte für die frühkindliche Bildung, ein Viertel für den Ausbau und Betrieb von Ganztagsschulen und ein weiteres Viertel für Hochschulen.
- Wenn der Staat 15 Prozent der Finanzierung für Dekarbonisierung bis 2050 übernimmt, bräuchte es 75 Milliarden Euro.
- 15 Milliarden Euro müssten in die Wohnbauförderungen fließen, um den Wohnraummangel zu beheben.
Der IMK und das IW sehen diese Summen als “volkswirtschaftlich gut zu schultern”; sie würden rund 1,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen. Wenn diese Finanzierungen langfristig über den vollen Zeitraum von zehn Jahren verteilt werden würden, könnte ebenfalls sichergestellt werden, dass die Bauwirtschaft es schafft, ihre Kapazitäten auszuweiten, und dass Kommunen die Personallücken schließen, die durch den Sparkurs entstanden sind.
Wie der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung bereits im Jahr 2007 angeregt hat: Investitionen in die fehlende Infrastruktur müssten von der geltenden Neuverschuldungsbegrenzung ausgenommen werden. Denn obwohl kreditfinanzierte Investitionen den Schuldenstand erhöhen, erhöhen sie gleichzeitig den Vermögensbestand.
Welche Rolle übernehmen Banken bei der Finanzierung der Infrastruktur in Deutschland?
Bei der Infrastrukturfinanzierungen sind Banken insoweit beteiligt, dass sie Kredite oder Anleihen für Projekte bereitstellen. Durch ihre Unterstützung wird der Infrastrukturausbau vorangebracht, wodurch die wirtschaftliche Stärke Deutschlands gesichert werden kann.
Wie soll das 500 Milliarden Euro Sonderpaket der deutschen Infrastruktur helfen?
Das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz soll genau die zusätzlichen Investitionen in die Infrastruktur finanzieren, die gebraucht werden. Im März 2025 wurde das 500 Milliarden Paket als Rettungsfinanzspritze beschlossen. Insgesamt sollen bis 2036 500 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen zusätzlich in Infrastrukturprojekte und Klimaschutz investiert werden.
Da der Bundeshaushalt – der Kernhaushalt – der Schuldenbremse unterliegt (Art 109 GG und Art 115 GG), gibt es einen engen Rahmen für kreditfinanzierte Ausgaben. Um dringende Investitionen in Deutschland möglich zu machen, wurde damit eine Kreditermächtigung in Höhe von 500 Milliarden Euro möglich gemacht.
Was soll das Sondervermögen im Infrastrukturbereich finanzieren?
Das Sondervermögen wird in drei Säulen geteilt und die konkreten Mittel werden jährlich im Wirtschaftsplan festgehalten.
- Bund
300 Milliarden Euro erhält der Bund, die in verschiedene Bereiche der Infrastruktur investiert werden soll.
- Länder und Kommunen
100 Milliarden Euro werden nach dem Königsteiner Schlüssel auf die einzelnen Länder aufgeteilt. Damit können sie weitere Investitionen in Infrastruktur Deutschlands finanzieren.
- Klima- und Transformationsfonds
100 Milliarden Euro fließen für klimaschutzfördernde Projekte ein.
Wie wird der Bund in 2026 in die Infrastruktur in Deutschland investieren?
Im Jahr 2026 sollen Investitionen in Infrastruktur Deutschlands auf 129 Milliarden Euro steigen. Der Bund plant eine Investitionsoffensive im Wert von rund 58,4 Milliarden Euro durch das Sonderpaket umzusetzen – beispielsweise durch öffentliche Investitionen in die Digitalisierung und den Verkehr. Folgende Infrastruktur-Ausgaben sind für Deutschland geplant:
Verkehr | 22,00 Milliarden Euro |
|---|---|
Krankenhäuser | 6,00 Milliarden Euro |
Digitalisierung | 5,99 Milliarden Euro |
Energie | 2,09 Milliarden Euro |
Bildung | 1,22 Milliarden Euro |
Forschung und Entwicklung | 1,07 Milliarden Euro |
Sportstätten | 0,84 Milliarden Euro |
Wohnungsbau | 0,53 Milliarden Euro |
Investition in Infrastruktur Deutschland 2025: Wie ist der Stand nach Einführung des Sonderpakets?
Nach einem halben Jahr Sondervermögen ziehen Kommunen eine Zwischenbilanz: Im Jahr 2025 stiegen die geplanten Investitionen auf 48,0 Milliarden, also um rund zwei Prozent. Damit bleiben sie allerdings weiterhin unterhalb der Preissteigerungen im Bausektor.
Projekte werden bereits auf den Weg gebracht, wie beispielsweise beim Schienennetz und der Brückenmodernisierung. Allerdings beklagen viele Kommunen langsame Auszahlungsvorgängen und komplexe Antragsverfahren. Während große Unternehmen bereits von der Finanzierung profitieren, warten kleinere Betriebe weiterhin auf Aufträge.
Die Branche warnt: Wenn sich die Situation nicht zuverlässig bessert, werden Unternehmen Personal abbauen – wodurch mittelständische Strukturen in Gefahr geraten würden.
Fazit: Investitionen in die Infrastruktur in Deutschland immer noch auf dem Prüfstand
Das Jahr 2025 war ein schwieriges Jahr für Investitionen in die Infrastruktur in Deutschland. Der Bund hat rund 38 Milliarden Euro des SVIK für Infrastrukturinvestitionen eingesetzt. Doch zunächst müssen Beschlüsse gefasst werden, bevor gebaut werden kann – die Effekte der zusätzlichen Investitionen zeigen sich nur langsam.
Aber kommt das Geld wirklich dort an, wo es gebraucht wird? Das Sondervermögen ist ein schuldenfinanziertes Mittel, um die derzeitigen Herausforderungen der maroden Infrastruktur zu begegnen – als zusätzliche Unterstützung neben den im Kernhaushalt verankerten Investitionen. Doch wie das ifo Institut in einer Pressemitteilung vom 17. März 2026 berichtet: Rund 95 Prozent der aufgenommenen Schulden kommen nicht zusätzlichen Infrastrukturinvestitionen zugute. Grund der Zweckentfremdung läge in Verschiebungen einzelner Posten im Kernhaushalt.
Konkret bedeutet das: Im Kernhaushalt wird weniger in Infrastruktur investiert – dafür stattdessen in Haushaltslücken. Die Infrastrukturinvestitionen werden in das kreditfinanzierte SVIK verschoben. Dadurch wird es nicht als zusätzliche Investition genutzt, die nötig wäre, um den Investitionsstau aufzuholen. Insgesamt lagen nur 1,3 Milliarden Euro mehr als im Jahr 2024 vor, die Investitionen für die Infrastruktur in Deutschland eingesetzt werden konnten.
Max Lay, Fachreferent am ifo Zentrum für Finanzwissenschaft betont: “Die Bundesregierung hat in Zukunft die Möglichkeit, die Quote der Zweckentfremdung zu senken. Dazu müssten vor allem die Investitionsausgaben im Kernhaushalt erhöht werden, sonst kann man auch weiterhin nicht von zusätzlichen Investitionen sprechen.”